#communityprojekt100 - 100 ikonische Streetfotos #11

Von Ralph Gibsons „The Perfect Future“ zu „Alles läuft rund“ von Catherine Becker
 
Zu mir. Seit meiner Jugend fotografiere ich, mal mehr mal weniger - als ernsthaftes Hobby seit 2014. Dabei ist die Street Fotografie für mich die Königsdisziplin, an die ich mich nie rangetraut habe. Weil, so, Menschen und so…!
Dieses Projekt kam mir sehr gelegen, damit ich mich endlich mal ausgiebig auf die Straße traue.
 
Mein Fotograf und mein Bild. Von Ralph Gibson habe ich noch nie gehört, aber das Bild gefällt mir sofort. Es zeigt einen Mann, der an der Straße steht und unerklärlicher Weise einen Stock in der Hand hält. Dieser spiegelt sich in der Linie direkt neben ihm auf der Straße. Ich liebe an der Streetfotografie diese spontan eingefangenen Augenblicke, die so viel erzählen und Fragen aufwerfen. Wo will dieser Mensch mit dem Stab in seiner Hand hin? Was hat er damit vor? Diese Szene fängt Gibson spontan aus einer ungewöhnlichen, herabschauenden Perspektive ein, welche die beiden weißen Linien parallel laufen lässt. Herrlich auch die Interpretation Gibsons, die ihn auf den Titel The Perfect Future gebracht hat: „Wenn dieser Mensch diesen Stab trägt und der weißen Linie bis an sein Lebensende folgt, muss er nie wieder eine Entscheidung treffen!“ 
 
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Außerdem erzählt er: Als er diesen Menschen an der Ampel stehen sah, ergriff er spontan seine 50 mm Linse und musste bei f/16 eine Viertel Sekunde belichten, um ein durchgehend scharfes Bild hinzubekommen. Diese technischen Aspekte merke ich mir, mal gucken, was ich davon übernehme.
 
Wovon lass ich mich inspirieren? Der Aspekt, der mich am stärksten anspricht, ist die Wiederholung des Musters von Stab und Linie. Mir gefällt die optimistische Lebensanalogie, die er hineininterpretiert. Den ungewöhnlichen, herabschauenden Blickwinkel will ich auch übernehmen - vielleicht auch von unten nach oben, mal sehen. Auch lese ich über Ralph Gibson, dass diese Blickwinkel eines seiner Markenzeichen sei - umso besser!
 
Technisch übersetze ich sein 50 mm Objektiv - ich nehme an Kleinbild - in meine 20 mm Festbrennweite, das Lumix 20 mm f/1,7 Objektiv. Zumindest für den ersten Versuch. Wenn schon Street, dann „richtig“ Street. Ich liebe diese kleine, unauffällige Linse. Falls ich das Gefühl habe, dass ich Szenen verpasse, kann ich ja immer noch mit einem Zoom-Objektiv losziehen.
 
Ganz so eine geschlossene Blende werde ich nicht verwenden, aber ich übernehme den Wunsch ein durchgehend scharfes Bild zu haben und wenn ich dafür eine niedrige ISO opfern muss - so nehme ich das ISO-Rauschen einfach als Anlehnung an die Körnung eines Films. „Hohe ISO ertragen“ will ich sowieso üben.
 
Auf Streifzug. Ich gehe raus auf die Straße mit dem Mantra: Muster, Muster, Muster. Gucke mir jeden Pflasterstein genau an und was die Leute so in der Hand haben. Was kann denn da zusammen passen?!
  • Eine Frau in Hose mit Schachbrettmuster - schade, dass das Pflaster nicht so aussieht - aber so spannend ist die Hose nun auch nicht.
  • Gepunktete Linie auf der Straße - Jetzt eine Frau mit gepunktetem Rock?
  • Runde Gitter um Bäume - sieht aus wie ein Fahrradreifen!
  • Die Menschen haben hauptsächlich Einkaufstüten in der Hand, aber die sehen aus wie was? Mülleimer?
  • Ich verfolge eine Frau mit gestreifter Umhängetasche, in der Hoffnung, dass sie über einen Zebrastreifen geht. Haha, nein, ich erwische sie nur an der Ampel - die dünne, nur verwaschen sichtbare, gestreifte Linie lacht mich aus.
  • Handtasche und Mülleimer? Nein, die sehen sich nicht ähnlich. Habe nur wieder Spaß, die Frau unauffällig zu verfolgen und nach einem passenden Mülleimer Ausschau zu halten.
 
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Etwas Gepunktetes?
 
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Wo ist der Zebrastreifen? Die gestreifte Linie ist ja mickrig! 
 
Die runden Gitter um Bäume am Straßenrand - die tun es mir an. Es ist eine der ersten Ideen, die ich habe und ich tobe mich an einer Stelle sehr lange aus, um die Fahrräder so ins Bild zu kriegen, dass ich einen ähnlich simplen Bildaufbau habe wie in Gibsons Bild. Aber ich scheitere kläglich. Die Bilder sind einfach zu unruhig. 
 
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Herrlich an Gibsons Blickwinkel ist, dass ich fast unbemerkt fotografieren kann. Als ich die Einkaufstüten und Mülleimer-Idee ausprobiere, stehe ich sicherlich eine Viertelstunde an einem passenden Mülleimer und „fotografiere“ von oben auf die Tonne. Im Augenwinkel warte ich ab bis Menschen mit Einkaufstüten vorbei laufen. Bäm. Sie merken nicht, dass sie im Bild sind. Das und die verwunderten Blicke, was ich da wohl anstelle, bringen mir diebische Freude.
 
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Zwei Dinge gefallen mir aber nicht an dieser Idee. Zum einen sehen Einkaufstüten eigentlich gar nicht aus wie Mülleimer! Und zum anderen fehlt mir der optimistische Teil des Originals - das The Perfect Future. Mir gehen die runden Gitter nicht aus dem Kopf. Und es kommt der Ausdruck Alles läuft rund in mir auf und lässt mich nicht mehr los. 
 
Umso mehr freue ich mich über neue runde Baumgitter, die näher am Radweg liegen. Ich bastle lange hin und her, bis die Komposition schön einfach ist. Auf der Kö in Düsseldorf dauert es nicht lange bis Fahrräder vorbei kommen. Tadda!
 
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Wie schön war es im Abendlicht zwei ausgiebige Spaziergänge durch meine Stadt zu machen. Ich habe links und rechts reichlich andere Fotos für mich gemacht. Hoffentlich habe ich auch ohne Community Projekt in Zukunft den Impuls solche Spaziergänge zu machen!
 
Wer gucken will, was ich bis jetzt so fabriziert habe und in Zukunft fabrizieren werde, darf mich gerne bei Instagram besuchen: @c.a.therine_b
 
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