#communityprojekt100 - 100 ikonische Streetfotos #17

Sevillia, Spanien an einem sonnigen Tag im Jahr 1964. Die Sonne ist grell und eine alte Dame läuft durch die Strassen der Stadt, entlang an einer Mauer. Sie läuft sehr langsam, ja "schlufft" regelrecht ¸ber den schmalen Bürgersteig. Die Sonne scheint recht hell und projeziert so einen harten großen Schatten an die Wand. Der amerikanische Fotograf George Krause, steht an besagtem Tag in der Nähe und fängt genau diese Situation mit seiner Kamera ein.
Das ist in etwa die Umschreibung der Situation im Bild "The Shadow", welches meine Aufgabe sein wird.

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Bevor ich mich aber weiter dem Bild widme, kurz zu mir. Mein Name ist Thorsten Koch und ich fotografiere eigentlich nicht ganz alltägliche Autos, Motorräder und hin und wieder auch Konzerte. Da diese Bereiche bzw. Veranstaltungen dazu aber meist saisonal stattfinden, fing ich als "Ausgleich" vor einigen Jahren an, mich zusätzlich mit dem Thema Streetfotografie auseinander zu setzen. Dabei bemerkte ich das ich diese Art der Fotografie eigentlich schon seit einigen Jahren unbewusst betreibe, denn meine Fotos von den Urlauben und Ausflügen waren seltenerweise die typischen Urlaubsfotos, sondern meist Streetfotos. (Instagram:thorsten_koch)
Besonders inspiriert hat mich hier nachher Thomas Leuthardt, den ich noch kurz bevor er die Kamera an den Nagel hing, persönlich kennenlernen durfte. 
Als ich das mit dem Projekt hier mitbekam, war ich sofort Feuer und Flamme und freue mich deswegen umso mehr das ich daran teilnehmen darf.

Jetzt aber zurück zum Bild, bzw. meiner Aufgabe. 

Der Fotograf:

George Krause, geboren 1937 ist ein Kunstfotograf aus Philadelphia, wo er auch die University of Arts besuchte. Er wurde mit einem Guggenheim Stipendium ausgezeichnet und an der University von Houston/Texas gründete er die dortige Abteilung für Fotografie.

Das Bild "The Shadow"

Das Bild selber ist vom Aufbau her recht simpel gehalten und das Hauptaugenmerk liegt auf der alten Dame und dem grossen Schatten, wie man auch dem Titel des Bildes schon entnehmen kann. Das war es aber auch schon mit der Einfachheit. 

Meine Vorgehensweise:

Ich habe erst einmal den Fotografen George Krause gegoogelt und bin so auf seine Seite gestossen. www.georgekrause.com
Auf der Seite fand ich dann auch direkt den gesamten Beitrag aus dem Buch als jpg Bild. Natürlich habe ich dieses Bild direkt gespeichert, um so den Bericht und das Bild während meiner Pausen auf der Arbeit studieren zu können.
Das Hauptaugenmerk liegt bei dem Bild, wie es ja der Name schon verrät, auf dem harten Schatten an der Wand. Mein erster Gedanke für die Umsetzung ging dann eher in die witzige Ecke, denn die Form des Schattens hatte für mich etwas von einem Dino und so spielte ich mit dem Gedanken ein Kind in ein Dinokostüm zu stecken und dementsprechend auszuleuchten.
Diese Idee habe ich dann aber recht schnell verworfen , weil ich erstens kein kleineres Kind und zweitens nicht das Dino Kostüm zur Verfügung hatte. Bestellen wäre zwar eine Möglichkeit gewesen (das Kostüm, nicht das Kind) scheiterte dann aber an meinem Geiz und dem Faktor Zeit.

Das Thema mit der Ausleuchtung hingegen schwirrte aber weiter in meinem Kopf herum, da ich davon ausging das ich sonst nicht wirklich die Möglichkeit hätte einen so harten Schatten zu bekommen. Eine passende Location dafür hatte ich direkt vor der Haustür, eine kleine weiße Kirche die genug Platz auf der Seite hatte um die Idee am frühen Abend mit einem portablen Blitz umzusetzen.

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Ich behielt diese Idee als Plan B im Hinterkopf und ¸belegte weiter was ich sonst noch für Möglichkeiten hätte. So kam mir die Idee mich am frühen Sonntagmorgen nach Münster zu begeben, um während des Sonnenaufgangs Leute und Schatten zu suchen die ich ablichten könnte. Das war dann meine Hauptidee.

Trotzdem machte ich mir nach der Arbeit, auf dem Heimweg weitere Gedanken zu dem Bild und überlegte mir wie und wo ich zusätzlich zur Location mit der kleinen Kirche das Thema mit der Ausleuchtung angehen könnte, wenn mein Vorhaben in Münster nicht funktionieren sollte. Schließlich spielt dabei ja die Sonne auch eine große Rolle und ist nicht wirklich beeinflußbar.
Während der Heimfahrt beobachtete ich die Schatten an allen möglichen Dingen die ich sah. Sei es von Autos, Personen, Laternen usw. usw. Dabei fiel mir auf das die Sonne zu dem Zeitpunkt, wenn denn die Wolken mal kurz bei Seite waren, doch recht grell schien und die meisten Schatten recht hart waren.
 
Zuhause angekommen ging dann alles ganz schnell und ich warf alle meine bisherigen Ideen über Bord. Als ich aus dem Auto ausstieg, sah ich meinen eigenen Schatten auf dem Boden. Er war tiefschwarz und hart, also eigentlich perfekt. Dann ging ich zu unserer Scheune, zu den zwei großen Toren und schaute wie denn die Sonne meinen Schatten auf die Wand projeziert. Es passte alles, die Sonne strahlte richtig grell, genau im richtigen Winkel, der Schatten wurde passend an die Wand bzw. die Tore geworfen, aber ich hatte vielleicht nur noch 10-15 Minuten Zeit um diese spontane Idee umzusetzen. Also ging ich ins Haus und erklärte meiner Frau mein Vorhaben und das sie doch bitte für das Foto an der Scheune entlang laufen solle. 
Ich schnappte meine Olympus-Kamera und ging wieder raus um die passenden Einstellungen vorzunehmen. Hier entschied ich mich bewusst für die Serienbildaufnahme, um nachher den passenden Moment auswählen zu können.

Meine Frau hatte dann noch eine Idee die sie mit ins Bild einbringen wollte ... unseren Dackel "Buddy". Die beiden gingen zweimal vor den Toren auf und ab und das Bild war im Kasten.

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Danach ging es dann an den Rechner, denn meine Streetbilder mache ich immer in Farbe und wandel sie dann nachher in Lightroom erst um. Das mache ich aus folgendem Grund. Ich kann dabei selber bestimmen wie ich die Bilder bearbeite, ob in Farbe oder in schwarz/weß und ich kann so dementsprechend den Look und somit die Stimmung der Bilder beeinflussen. 

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Im nachhinein muss ich sagen das ich selber überrascht bin, wie schnell mit mal alles ging und klappte. Ich hatte eigentlich mit mehr Zeit für die Aufgabe eingeplant und beim ersten Anblick des Bildes damit gerechnet das es eine verdammt harte Challenge werden würde. Wie sagt man aber manchmal so schön?? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Ich wünsche allen die mir bei dem Projekt noch folgen, viel Spafl und Erfolg bei euren Aufgaben. Ganz besonders möchte ich auch Frank nochmal danken, für diese geniale Idee die hinter diesem gesamten Projekt steht und natürlich für die Planung.

Thorsten Koch, Beelen im September 2020

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