#communityprojekt100 - 100 ikonische Streetfotos #18

Gedanken zu 100 Ikon. Streetfotos

Liebe Leser, ich möchte ganz vorne anfangen in Bezug auf das Projekt der 100 Ikon. Streetfotos.

Voller Interesse habe ich von dem Projekt, das mir sehr interessant und reizvoll erschien, auf der Facebook-Seite der ff-fotoschule gelesen und mir fast zeitgleich die Frage gestellt, ob ich mich für so eine große Sache auch bewerben kann. Mir fehlte ein wenig der Mut, den mir Frank Fischer aber zugesprochen hat. Und so habe ich mich mit einer kurzen E-Mail beworben und eine positive Antwort von Frank bekommen. Jetzt hieß es Geduld haben und bald schon konnte ich in der pdf-Datei auf der Facebook-Seite lesen, dass ich im September das Buch mit „meinem Foto“ erhalten würde. Bis dahin war noch lange hin, dachte ich. Aber die Zeit verging und es wurde schnell September und bevor ich es mich versah, lag das Buch als Postsendung in meinem Briefkasten. Jetzt war die Spannung sehr groß. Ich öffnete das Paket, las eine freundliche Nachricht von Thorsten und packte dann das Buch aus. Bevor ich einen Blick in die Anleitung zum Ablauf warf, guckte ich in der beigefügten Liste, auf welcher Seite mein umzusetzendes Foto abgebildet ist. Ich war schon ziemlich aufgeregt und hatte Sorge, dass mir zu meiner Aufgabe nichts Passendes einfüllen würde. Als ich Seite 80/81 aufgeschlagen hatte, fingen meine Gedanken an sich zu überschlagen und meine Fantasie wurde auch heftig angeregt. …aber dazu später mehr.

Jetzt möchte ich euch das Foto und den Fotografen kurz vorstellen.

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André Kertész (*2.07.1894 Budapest, +28.09.1985 New York City) ist ein aus Ungarn stammender Fotograf, der mehrere Jahrzehnte lang in der künstlerischen Fotografie als stilbildend galt.

Obwohl er in den frühen Phasen seiner Karriere keine Anerkennung in der Bevölkerung erlangte, gehören seine späteren Fotografien, darunter Werke wie The Fork (1928), heute zu den bekanntesten Fotografien des zwanzigsten Jahrhunderts.

Im Oktober 1925 wanderte Kertész nach Paris aus, um sich als professioneller Fotograf zu etablieren.

Kertész wanderte 1936 nach New York aus, um sich als Fotograf in Amerika zu etablieren. Während seiner Zeit in New York entwickelte Kertész seine Faszination für die Aufnahme von Bildern von Menschen, die lesen, insbesondere in Außenräumen wie Parks, Fensterleisten und Balkone.

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Mit Hilfe eines Teleobjektivs wurde der Blick auf schneebedeckte Spuren und Silhouetten im Park zum Mittelpunkt einiger seiner effektivsten Fotografien, die sich als visuelle Rätsel verkleiden. Er benutzte auch gerne eine Polaroid-Kamera, mit der er surreale Stilllebenfotos seiner Besitztümer schuf. Er blieb bis zu seinem Tod am 28. September 1985 in New York.

1962, Broken Bench, Long Island Metropolitan Museum of Art, New York): Dieses Foto aus seiner späten Karriere ist in Kertesz‘ Werk ungewöhnlich, da es Figuren aus seinem persönlichen Leben enthält. Der Mann im Vordergrund, der offenbar die kaputte Bank überblickt, ist Kertesz‘ Freund und Erzsébets Geschäftspartner Thomas Frank. Der Mann verlor sein Augenlicht und anlässlich dieses Fotos hatten Kertesz und seine Frau ihn zu einem anderen Freund gebracht, der in einem Krankenhaus war. In der Ferne sitzt der Freund neben Erzsébet auf der Bank. Kertesz hat dieses Porträt seiner Großfamilie ganz bewusst komponiert. Es ist voller symbolischer Bedeutung, aber - abgesehen von seinem Titel - hat der Fotograf nur wenige Hinweise für seine Interpretation zur Verfügung gestellt. " Die zerbrochene Bank", die das scheinbare Thema der Fotografie ist, verleiht der Szene ein Gefühl der Melancholie und ein metaphorisches Gefühl für den Zusammenbruch menschlicher Beziehungen sowie des menschlichen Geistes und Körpers. Die Tatsache, dass Bänke oft verlorenen Angehörigen gewidmet sind, verleiht der Szene einen Erinnerungsaspekt.

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Und nun ein paar Worte zu mir. Mein Name ist Bärbel Ennenbach und ich fotografiere schon seit meiner Kindheit. Angefangen hat alles im Grundschulalter mit einer AGFA Optima 200 Sensor, die ich heute noch besitze. Kurz nach dem Abitur kaufte ich mir von meinem ersten selbstverdienten Geld eine Minolta X-500 und nach und nach das ein oder andere Objektiv und z. B. einen Handbelichtungsmesser. Es folgten auch weitere Kameras der Firma Konica/Minolta. Außer in Fotokursen fotografierte ich hauptsächlich im Urlaub, bei Geburtstags- und Familienfeiern oder im Bereich Landschafts- und Architekturfotografie. Mitte der 80er Jahre begann ich und erstelle seitdem Jahr für Jahr einen Fotokalender. Vor ca. zwei Jahren erfolgte der Umstieg von Kleinbild auf Vollformat. Seitdem begleitet mich eine Sony Alpha 7. Eine Intensivierung meines Hobbies erfolgte durch Fotoreisen mit der FF-Fotoschule und in der Coronazeit auch durch die Teilnahme an Webinaren und durch das Verfolgen von „Q and A“ mit Frank Fischer. Und nun ist die Umsetzung eines der 100 Ikon. Streetfotos meine Herausforderung.

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Zur Entwicklung der Ideen und zur Umsetzung des Fotos:
Bei meinem Foto wollte ich mit Gegensätzen zum ursprünglichen Foto arbeiten.

  • Die gebrochene/defekte Bank – Eine funktionstüchtige/neue Bank

​Jetzt musste ich überlegen, wo es in unserer kleinen Stadt Bänke gibt:

  • Frankfurter Str. / hinterm Bahnhof / auf dem Schulhof / im Kurpark (verschiedene Sets)

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Den alten Mann wollte ich durch ein Kind oder einen jungen Menschen ersetzen, der entweder von hinten oder von vorne fotografiert werden soll.

Auf einer Bank im Hintergrund des Fotos sollen zwei Frauen sitzen, die sich unterhalten, mit ihren Handys beschäftigt sind, in einem Buch oder einer Zeitung lesen oder den Blick Richtung Kind gerichtet haben, um es zu fotografieren.

Ob mein Foto ein SW-Foto oder ein Farbfoto werden sollte, wollte ich später entscheiden.

Gleich an dem Tag, an dem das Buch bei mir eingetroffen ist, habe ich einen Spaziergang durch unseren Kurpark gemacht und von verschiedenen Kombinationen mit Bänken Fotos mit dem Handy gemacht. Meine Favoriten waren die Bänke beim Schachspiel und die Bänke auf dem Spielplatz. Andere Bänke schienen mir nicht so interessant. Beim Shooting überzeugten mich allerdings die Bänke in der Nähe des Teichs.

Die Brennweite musste ich testen, auch die Blende wollte ich ausprobieren. Da der Hintergrund scharf sein sollte, wollte ich etwa f= 8 wählen.

Die Traurigkeit und das Negative des Originals wollte ich durch Freude, Spaß, Glück, Zufriedenheit, Unbeschwertheit und Spiel ersetzen.

Die Umsetzung erfolgte dann einen Tag später mit der Unterstützung dreier Freundinnen (Oma, Tochter und Enkelin). Alle drei waren gerne bereit mir bei der Umsetzung des Fotos zu helfen und so überlegten wir, wie ein ansprechendes Foto gelingen konnte. Die Enkelin übernahm den Part des alten Mannes und die beiden Frauen saßen mit ihren Handys auf der Bank. Wir machten einige Fotos auf dem Spielplatz und einige in der Nähe des Teichs, in verschiedenen Posen, von vorne, von hinten usw. Zuhause am PC wollte ich die Fotos sichten und bei Bedarf wollten wir ein zweites Shooting machen.

Beim Sichten der Fotos war mir schnell klar, dass noch eine Umwandlung in schwarz-weiß erfolgen würde. Letztlich waren es vier Fotos, die ich farblich umgewandelt habe. Zwei Fotos blieben in meiner letzten Auswahl übrig. Auch jetzt bin ich mir noch nicht sicher, ob ich mich für das „richtige Foto“ entschieden habe…

Dieses Foto schied dann doch aus:

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Aber mein Favorit ist das Foto, das in der Nähe des Teichs entstanden ist.

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Die Umsetzung des Fotos von André Kertész war eine tolle Erfahrung und hat mir wirklich Freude gemacht. Vor allem habe ich erfahren, dass fotografieren als Gemeinschaftsaktion viel unterhaltsamer und anregender ist als alleine.

Mein Dank geht an erster Stelle an dich, Frank, dass du mir die Chance gegeben hast, an deinem Projekt teilzunehmen. Außerdem bedanke ich mich bei Anneli, Bernie und Lea für ihre Unterstützung. Ihr habt es möglich gemacht, „unser Foto“ zu erstellen. smiley

Euch allen, die ihr am Projekt teilnehmt, wünsche ich für eure Herausforderungen gute Ideen und viel Freude bei der Umsetzung. Good luck.

Bärbel Ennenbach

Hennef, 28.09.2020

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