#communityprojekt100 - 100 ikonische Streetfotos #59

Copacabana Beach - Thomas Farkas - Rio de Janeiro 1947

Mit spannender Erwartung habe ich dem Buch und der Aufgabe zum #communityprojekt100 ikonische Streetfotos entgegengesehen. Am 20.08.2021 war es dann soweit, mit etwas Verspätung und einer neu erarbeiteten Teilnehmer- und Datumsliste ist das Masterbook bei mir eingetroffen. Ein schneller Blick in die mitübersandte Liste und auf den Seiten 18/19 befand sich mein neu zu interpretierendes Bild „Copacabana Beach“ - Rio de Janeiro von Thomas Farkas aus dem Jahre 1947.

Thomas Farkas (*17.10.1924 - +06.03.2011) war mir bislang in der Riege der klassischen Street-Fotografen (noch) nicht bekannt. Geboren in Ungarn ist er im jungen Alter von 6 Jahren mit seiner Familie nach Sao Paulo, Brasilien, ausgewandert und dort aufgewachsen. Über seinen Vater, der Mitgründer einer Firma für Fotooptik gewesen ist, kam Thomas Farkas schon früh mit der Fotografie in Kontakt. Nach einem Ingenieurstudium hat er sich beruflich für die Fotografie entschieden und sich zunächst in das väterliche Geschäft mit eingebracht. Später wurde dann daraus eine Tätigkeit als Fotograf und Filmproduzent. Unter anderem hat er 1979 die Sao Paulo Photo Gallery eröffnet und eine Professur für Fotografie, Fotojournalismus und Filmen an der School of Communications and Arts der Universität Sao Paulo erhalten. Sein fotographisches Wirken konzentrierte sich schwerpunktmäßig auf den brasilianischen Nationalsport Fußball, aber auch auf die Dokumentation des alltäglichen Lebens in Brasilien, sprich: der Streetfotografie. Herausragend war seine dokumentarische Arbeit über die Entwicklung und Einweihung der Hauptstadt Brasilia.

Die Aufnahme selbst ist schlicht und einfach gehalten. Ein klassisches schwarz-weiß Foto, das einen fußballspielenden jungen Mann am Strand von Rio vor dem Hintergrund des Zuckerhutes zeigt. Dominant ist die Kontur des netzlosen Tores und die Bewegung des Mannes in der Mitte. Ich dachte zunächst, keine allzu schwierige Aufgabe, aber dann bei der weiteren Überlegung hat sich doch ergeben, dass die Umsetzung lediglich dann einfach wäre, wenn ich Zugang zur gleichen oder einer ähnlichen Location hätte. Nun aber befinde ich mich im Südwesten Deutschlands und der nächste Strand mit Meerblick ist ca. 800 km entfernt. 14 Tage Zeit für die Umsetzung und ein weiterer Blick auf die Wetter-App haben mir dann gezeigt, dass Eile geboten ist. Denn Sommerwetter war nur noch für den darauffolgenden Samstag angezeigt. Was tun ..? Ok, ich könnte mir einen Sportplatz suchen und einen Protagonisten, um das Bild nachzustellen. Aber: weißer Sandstrand, Meerblick und vor allem der weltberühmte Zuckerhut als Wahrzeichen Rio ́s im Hintergrund gelingt mir in der Mitte Europas nicht. Bei meiner Recherche bin ich auch darauf gestoßen, dass das Bild von Thomas Farkas mit gleichem Titel bereits von Thomas Hoepker, dem bekannten deutschen Magnum Fotografen, einmal nachgebaut wurde. Ebenfalls an der Copacabana und mit fußballspielenden Akteuren. Klartext: ohne in Rio zu sein, bin ich mehr oder weniger chancenlos. Ergo musste ein neuer Ansatz her. Was wollte Thomas Farkas mit seinem Bild zum Ausdruck bringen? Ein Lebensgefühl (Sport und Fußball), ungestellt (candid), das typische Leben der Menschen im Sommer an Rio ́s Traumküste. Ich wollte Wasser, Sonne und Sommer haben, um diese Impression nachzubauen. Strand geht nicht, aber wer sagt, dass das Bild nicht auch frei interpretiert werden kann? Wo gibt es ein Lebensgefühl ähnlich wie in Rio in der Mitte Europas? Da ist mir Zürich in den Sinn gekommen. Die Stadt, wo die Menschen im Sommer ihrer Lebenslust und Lebensfreude an den Ufern der Limmat frönen. Perfekt für eine freie ungestellte Interpretation der Arbeit von Thomas Farkas. Anbei ein paar Impressionen, die ich bei der Umsetzung eingefangen habe:

bildschirmfoto_2021-10-03_um_12.54.44.png

bildschirmfoto_2021-10-03_um_12.54.53.png

yes Unseren Newsletter bekommst Du hier: yes

Letztendlich waren mir die Bilder aber doch viel zu weit vom Ausgangsbild entfernt. Der räumliche Hintergrund mit den Häusern zu unruhig und zu lebhaft. Aber dann hat sich ein Jongleur gezeigt, der mein finales Bild ergeben hat:

communityprojekt100_-_bild_michael_mayer.jpg

Wie gesagt, die Umsetzung war im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten eine freie Interpretation. Dabei stand der Gedanke der Street Fotografie im Vordergrund, eine ungestellte Szene im urbanen Lebensraum möglichst nahe am Ausgangsbild einzufangen. Anstelle des dominanten Tores hat ich Glück, die Streben des Brückengeländers in die Komposition mit einzubinden. Das Bild ist mit einer Leica Q2 und dem 28mm Summilux aufgenommen.

Es hat mir großen Spaß gemacht, an dem fantastischen Projekt teilnehmen zu können und großen Dank an Frank für die Initialzündung dazu und das große Engagement.