#communityprojekt100 - 100 ikonische Streetfotos #60

Ravens, Kanazawa, Japan, 1977

 

Zufällig erfuhr ich durch meine Freundin von diesem spannenden Projekt. Da mich die Ergebnisse der anderen Teilnehmer begeisterten, wollte ich ebenfalls Teil dieses Projekts sein und habe bei Frank angefragt, ob er noch einen Teilnehmerplatz für mich hat. Für jemanden, der sonst mit seiner Kamera nur in der Natur unterwegs ist, sich dort gut aufgehoben fühlt und im Bereich der Streetphotography noch nie fotografiert hat, ist es eine große Herausforderung. Darum habe ich kurzer Handbei Frank noch ein Webinar zu dem Thema gebucht und dachte, ich wäre damit gut gerüstet. In der Theorie und im eigenen Fotografieren außerhalb des Projekts ging dieser Plan auf. Aber dann kam das Buch und die Zuteilung des Bildes - ich war im ersten Moment schockiert. Was hatte dieses Foto mit Street zu tun?

Der Fotograf und sein Bild

Masahisa Fukase (25. Februar 1934 - 9. Juni 2012) war ein japanischer Fotograf, der sich damit tröstete Raben zu fotografieren, als seine Frau ihn verlies. Im Jahr 1986 wurde ein Buch mit seinen Fotografien über Raben veröffentlicht. Dieses wurde sehr schnell zu einem der angesehensten und gefragtesten japanischen Fotobücher der Nachkriegszeit. In der Mythologie gelten Raben als störende Kreaturen und als Omen des drohenden Unheils. Fukase stuft sie scheinbar als Symbole für verlorene Liebe und Herzschmerz ein. Das Foto spielt mit den Ängsten der Menschen und es mag Anklänge an Alfred Hitchcoks Film „Die Vögel“ geben. Durch die vom Blitzlicht hervorgerufenen leuchtenden Augen, werden die Raben aus der Dunkelheit hervorgehoben. Was sich Fukase beim Anblick der Raben gedacht hat, bleibt offen – allerdings erklärte er am Ende des Projekts rätselhaft er sei ein Rabe geworden. Nachdem Fukase in einer seiner Lieblingsbars die Treppe hinuntergestürzt ist, lag er 20 Jahre lang im Koma und verstarb im Juni 2012.

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Meine Umsetzung

Für mich stand fest, dass ich dieses Foto nicht nachstellen kann und möchte, weil die Bäume derzeit belaubt sind und die Raben somit in den vielen Blättern kaum zu erkennen wären. Also war erstmal Ratlosigkeit angesagt. Das Foto in die derzeitige Situation mit Corona zu interpretieren fiel auch raus, da ich bei der Umsetzung des Fotos keine Lust hatte diesem Thema so viel Aufmerksamkeit zu widmen. Danach kam die Überlegung das Foto genau umgekehrt darzustellen und nur einen Greifvogel aus dem Foto rausfliegen zu lassen, um die verlorene Liebe abzubilden. Auch Starschwärme haben mich überrascht und das eine oder andere Foto machen lassen. Je länger ich mit der Umsetzung des Fotos beschäftigt war, desto sicherer war ich mir, dass ich das Foto unbedingt mit Raben als Verdeutlichung der Bedrohung umsetzen möchte.

Ich fing also an zu recherchieren wo ich die schwarzen Vögel finden kann und dank des Internets und der Unterstützung von zwei Bewohnern aus Wolfsburg hatte ich relativ schnell die Schlafbäume der Raben inmitten einer großen Stadt gefunden. An mehreren Abenden beobachtete ich nun ihr Treiben und hatte dann das Glück die vielen Vögel bei ihrem geräuschvollen Einflug auf ihre Schlafbäume zu erwischen. Somit konnte ich auch das Problem mit den belaubten Bäumen umgehen. Ich entschied mich bei der Umsetzung bewusst den Fokus auf die fliegenden Vögel zu legen. Somit zeigt das Foto mehr vom Himmel und dem Einflug der Raben als vom Baum, damit die Bedrohung der Vögel durch die düstere Wolkenstimmung unterstrichen wird. Auch der enge Beschnitt des Bildes soll die bedrückende Stimmung widerspiegeln. Wie bei dem Originalfoto auch, habe ich bei der Bearbeitung eine Vignette und eine Körnung eingefügt.
kraehen_streetprojekt_bischof.jpg

Schlussbemerkung

Ich bin nun um viele Erfahrungen reicher und empfand das vorherige Beschäftigen mit dem Bild und dessen Umsetzung als Herausforderung, die mir aber viel Spaß gemacht hat.

Anne Bischof, Königslutter, August2021