#communityprojekt100 - 100 ikonische Streetfotos #8

Gegen Rassismus

„Oh ha, dass nenne ich eine Herausforderung“ war mein allererster Gedanke, als ich meine Doppelseite im Buch aufschlug. Aber was soll ich sagen… ich wollte eine Herausforderung, habe Sie bekommen und natürlich angenommen.

Ich fotografiere seit 5 Jahren, habe mich schon an diversen Genres ausprobiert, meine größte Leidenschaft gehört jedoch der Landschaftsfotografie. Trotzdem hat mich dieses Projekt sofort angesprochen. Einfach mal was Neues ausprobieren, was Neues lernen und aus meiner Komfortzone herauskommen. Und am Ende eventuell noch etwas für den guten Zweck tun, da musste ich mich einfach bewerben. Als dann die positive Nachricht von Frank kam, habe ich mich sehr gefreut Teil dieses Projektes sein zu dürfen.

Meine Inspirationsquelle ist das Foto „Department Store, Mobile, Alabama“ von Gordon Parks aus dem Jahr 1956. Es ist Teil einer Fotoserie aus dem Buch „The Segregation Story“, das die Geschichte der Rassentrennung im Süden der USA zeigt. Das Foto „Alabama“ ist in dem Bereich der Mode, seine Kraft aber liegt in den Bürgerrechten und dokumentiert die Rassenspannungen. Es ist ein schönes Foto, aber im Kontext ist es auch symbolisch und schafft große Wirkung.

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Parks war ein bemerkenswerter und multitalentierter Mann und fand als erster afroamerikanischer Fotograf und Filmregisseur landesweit Beachtung in den USA. Er hat die Kamera als seine Wahl der Waffe gegen alle Arten von sozialem Unrecht bezeichnet und die Fotografie intelligent und aufklärerisch genutzt. Ein starkes Instrument gegen Unterdrückung, Rassismus, Gewalt und Ungleichheit.

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Wie sollte ich das Foto nun zu meinem machen? Wie bin ich vorgegangen? Zunächst habe ich den Text im Buch übersetzt und über den Fotografen im Internet recherchiert. Bei der Recherche über Parks wurde mir schnell klar, dass ich das Thema Diskriminierung und/oder Rassismus aufgreifen möchte, denn leider sind Themen wie Rassismus, Diskriminierung und soziales Unrecht auch im Jahre 2020 noch aktuell.

Rassismus ist ein Strukturproblem und gibt es in fast allen Lebensbereichen und Vorurteile sind in unserem gesellschaftlichen System verankert. Rassismus muss aus unserem System und unserer Lebensweise verschwinden. Wenn wir am Arbeitsplatz, im Freundeskreis oder im sozialen Umfeld etwas mitbekommen, dann haben wir die Möglichkeit uns zu äußern und uns zu positionieren.

Ich hatte ein Plakat oder ein Schild, einfach ein Spruch mit einer Botschaft im Kopf. Aber wo sollte ich so einen Schriftzug finden? Mir kamen als Stadtteile in Bremen direkt das Viertel oder die Neustadt in den Sinn. Nachdem ich mich mit Freunden über Diskriminierung, Rassismus und mögliche Locations ausgetauscht hatte, bin ich einen Abend mit meiner Fotofreundin durch das Bremer Viertel gezogen und habe nach der geeigneten Location mit entsprechenden Schriftzügen gesucht. Durch die vorherigen Tipps und die weitere Recherche hatte ich meinen Ort, wo ich fotografieren wollte, schnell gefunden. Ich konnte mein Glück kaum fassen, von der ersten Idee bis zur Location lief alles wie am Schnürchen. Der Schriftzug war auch noch rot, ausreichend groß und gut zu lesen. Zur Vorbereitung habe ich dann noch einige Probefotos der Location aus verschiedenen Perspektiven gemacht. Am nächsten Tag bin ich zum Fotografieren meiner Idee losgezogen.

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Mit der Technik habe ich mich ehrlich gesagt erst im 2. Schritt auseinander gesetzt. Von der Vorlage sind nur das quadratische Format und das Farbfoto geblieben. Das Spiel mit Schärfe und Unschärfe konnte ich nicht so umsetzen, wie ich wollte. Auch das Wetter und die Lichtverhältnisse musste ich nehmen, wie sie sind. Zumindest habe ich versucht über die Serienbildfunktion den einen geeigneten Moment festzuhalten. Meine wichtigste Erkenntnis in der Streetfotografie „man muss Dinge nehmen, wie sie sind“.

Die Bildidee und der Spruch („Siamo tutti antifascisti“ ist italienisch und heißt übersetzt „wir sind alle Antifaschisten“) mit seiner Botschaft im Kontext waren mir wichtiger als alles andere. Die Entscheidung über die Bildauswahl war letztendlich ziemlich klar. Von den ca. 400 geschossenen Fotos gab es am Ende für mich nur dieses eine Foto, welches meine Idee und Botschaft vermittelt.

Es war eine sehr spannende, intensive und lehrreiche Aufgabe für mich. Nun aber werde ich die Aufgaben und Ergebnisse der verbleibenden Teilnehmer ganz entspannt mitverfolgen. Ich wünsche viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung.

Kerstin Mania, Juli 2020

 
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