#communityprojekt100 - 100 ikonische Streetfotos #29

Thomas Grasy – Buch-Challenge S. 40/41 – Dezember 2020

Das Foto mit dem lapidaren Titel „San Francisco 1953“ von Fred Lyon wirkt auf den ersten Blick gar nicht wie ein Foto, sondern vielmehr wie ein Film-Still aus einem Film noir der 50er Jahr – man erkennt zwar die Personen nicht, ist sich aber fast sicher, dass der Mann mindestens Humphrey Bogart ist.

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Der Autor wollte die neblige Atmosphäre San Franciscos in Szene setzen, wie er in einem Interviel verrät. Dieser Hinweis bringt den Betrachter auf die richtige Spur, denke ich. Denn bei dem Foto geht es nur sekundär um Bildinhalte – ob das jetzt dieses Paar ist oder ein anderes oder überhaupt Menschen, ist nicht der entscheidende Punkt. Wichtiger ist vielmehr die Lichtstimmung, der harte Kontrast, der dennoch ein wenig von den Personen erkennen lässt.

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Dabei ist die zentrale Lichtquelle nicht sichtbar, vielmehr von dem Paar verdeckt, so dass die „Strahlen“ von diesem Punkt aus sich sternförmig ausdehnen. Der Nebel sorgt dafür, dass diese weniger strahlen als vielmehr diffus scheinen (s. Bild). Große Teile des Bildes verschwinden im Dunklen.

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Dieser Gedanke stand bei meinem Bild im Vordergrund. Da es mit Lockdown und nächtlicher Ausgangssperre momentan ohnehin schwierig ist, echte Streetfotos zu machen (so gern ich das auch habe), war es notwendig einen Aufbau zu schaffen. Dabei sollte eben die Lichtsituation des Vorbilds aufgenommen werden. Da ich diese nicht kopieren wollte, war der erste Versuch, diese sozusagen zu invertieren, das was im Vorbild Licht ist, in Schatten zu verwandeln und umgekehrt. Viele Versuche (nachts allein im Moos) waren nötig, um mich doch zu überzeugen, die Lichtsituation (so wie sie ist) zu übernehmen – Gefahr laufend, zu nah am Original zu sein.

Auch wenn man in einem üblicherweise nebligen Landstrich wohnt – wenn man Nebel braucht, ist natürlich keiner zur Hand. Also musste ich den Nebel durch eine E-Zigarette selbst erzeugen, die Lichtquelle (bestehend aus meinen beiden Lume-X Leuchten) sollte – ganz wie im Original – nicht sichtbar sein, aber möglichst hell sein, um genügend Kontrast zu erzeugen. Was mir trotz allem nicht gelungen ist (aufgrund der fehlenden schönen Silhouette des Originals), ist eine solche sanfte Strahlenwirkung zu erzeugen.

Der Hintergrund sollte in meinem Bild etwas interessanter sein – gleichzeitig aber natürlich nicht von der Silhouette ablenken. So hab ich mich für ein paar Straßenspiegel entschieden (wobei mich da nun wieder die Spiegelungen im linken Spiegel stören). Da das Bild nur von der Lichtquelle und der Silhouette lebt, hab ich ein quadratisches Format gewählt – hab es gleichwohl leider nicht geschafft, die Spiegel wirklich hundertprozentig symmetrisch anzuordnen. Was mir gut gefällt – immerhin – ist der starke Kontrast und die Weichheit des Nebels nebeneinander.

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Es bleiben: Ein phantastisches Vorbild – und die Erkenntnis, wie schwer es ist, wenn man erst mal anfängt „nachzubilden“.

Vielen Dank für’s Organisieren des Projekts! smiley

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